Vor dem ersten Motorradkauf sollten Sie sich über den richtigen Führerschein, die passende Motorradklasse für Einsteiger, die notwendige Schutzausrüstung und die tatsächlichen Gesamtkosten im Klaren sein. Wer gut vorbereitet in den Motorradkauf geht, vermeidet teure Fehler und startet sicherer in die neue Fahrerkarriere. Die folgenden Fragen und Antworten decken die wichtigsten Themen ab, die angehende Motorradfahrer beschäftigen.
Welchen Führerschein braucht man für ein Motorrad?
Für Motorräder in Deutschland benötigen Sie mindestens den Führerschein der Klasse A2, wenn Sie zwischen 18 und 24 Jahren alt sind. Dieser erlaubt Motorräder bis 35 kW (ca. 48 PS). Ab 24 Jahren oder nach zwei Jahren Fahrpraxis mit A2 können Sie direkt die unbeschränkte Klasse A machen, die alle Motorräder ohne Leistungsbeschränkung freigibt.
Wer bereits den Pkw-Führerschein Klasse B besitzt und mindestens 25 Jahre alt ist, kann über den sogenannten Direkteinstieg A direkt die volle Klasse A erwerben. Für Leichtkrafträder bis 125 ccm und 11 kW gibt es außerdem die Klasse A1, die bereits ab 16 Jahren möglich ist. Wer nur einen Pkw-Führerschein hat und das 25. Lebensjahr vollendet hat, kann zudem über eine Erweiterung auf das sogenannte Motorrad 125 (B196) verfügen, allerdings mit strengen Auflagen und Zusatzausbildung.
Kurz zusammengefasst sind die relevanten Führerscheinklassen beim Motorradkauf:
- A1: Leichtkrafträder bis 125 ccm und 11 kW, ab 16 Jahren
- A2: Motorräder bis 35 kW, ab 18 Jahren
- A: Alle Motorräder ohne Einschränkung, ab 24 Jahren (oder ab 20 Jahren mit A2-Vorerfahrung)
- B196: Motorräder bis 125 ccm für Pkw-Führerscheininhaber ab 25 Jahren mit Zusatzausbildung
Planen Sie Ihren Führerscheinerwerb frühzeitig, denn die Ausbildungszeiten variieren je nach Fahrschule und Region erheblich.
Welches Motorrad ist für Einsteiger am besten geeignet?
Für Einsteiger eignen sich Motorräder mit überschaubarer Leistung, einem niedrigen Gewicht und einer aufrechten Sitzposition am besten. Naked Bikes und Reiseenduros in der Mittelklasse sind besonders beliebt, weil sie verzeihend auf Fahranfängerfehler reagieren und ein gutes Gefühl für das Motorradfahren vermitteln.
Konkret sollten Einsteiger auf folgende Eigenschaften achten:
- Leistung: Zwischen 25 und 48 PS sind für den Einstieg gut beherrschbar
- Gewicht: Unter 200 kg erleichtert das Rangieren und gibt Sicherheit beim Anhalten
- Sitzhöhe: Eine Sitzhöhe, bei der Sie mit beiden Füßen sicher den Boden erreichen, erhöht das Sicherheitsgefühl
- Motorcharakter: Gleichmäßige Kraftentfaltung ohne abrupte Leistungsspitzen
Wer sich für eine BMW Motorrad interessiert, findet dort auch Modelle, die speziell für Einsteiger gut geeignet sind. Sportmotorräder mit sehr aggressiver Ergonomie und hoher Spitzenleistung sind für den Anfang weniger empfehlenswert, auch wenn sie optisch reizvoll wirken.
Neu oder gebraucht: Was lohnt sich beim ersten Motorrad?
Für das erste Motorrad lohnt sich in den meisten Fällen ein gut gepflegtes Gebrauchtmotorrad. Der Wertverlust eines Neumotorrads in den ersten zwei Jahren ist erheblich, und Fahrfehler am Anfang können schnell zu kleinen Kratzern oder Sturzschäden führen, die an einem Neufahrzeug besonders schmerzen.
Ein Gebrauchtmotorrad mit überschaubarer Kilometerleistung und nachvollziehbarer Servicehistorie bietet den gleichen Fahrspaß zu einem deutlich günstigeren Preis. Außerdem können Sie nach dem ersten Jahr besser einschätzen, welcher Motorradtyp wirklich zu Ihrem Fahrstil passt, und dann gezielter in ein Wunschmodell investieren.
Ein Neufahrzeug kann sich dennoch lohnen, wenn Sie langfristig planen, Wert auf Garantie und modernste Technik legen oder ein spezielles Modell wünschen, das gebraucht kaum verfügbar ist. Viele Händler bieten auch Jahreswagen oder Vorführmodelle an, die eine gute Mitte zwischen Neu und Gebraucht darstellen.
Welche Schutzausrüstung ist beim Motorradfahren Pflicht?
In Deutschland ist beim Motorradfahren gesetzlich nur der Helm Pflicht. Alle anderen Schutzausrüstungen wie Jacke, Hose, Handschuhe und Stiefel sind rechtlich freiwillig, aus Sicherheitsgründen aber dringend zu empfehlen. Im Ernstfall kann vollständige Schutzkleidung schwere Verletzungen verhindern oder erheblich abmildern.
Folgende Ausrüstungsgegenstände sollten Sie sich vor dem ersten Ausritt zulegen:
- Helm: Mindestens nach ECE 22.06 zertifiziert, am besten ein Vollvisierhelm
- Motorradjacke: Mit integrierten Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Rücken
- Motorradhose: Mit Knie- und Hüftprotektoren
- Handschuhe: Mit Aufprallschutz und Verstärkungen an Handflächen und Knöcheln
- Stiefel: Knöchelhohe Motorradstiefel mit Versteifungen
Investieren Sie lieber etwas mehr in gute Schutzausrüstung. Günstige Produkte ohne Zertifizierung bieten im Ernstfall oft kaum Schutz.
Was kostet ein Motorrad im ersten Jahr wirklich?
Die Gesamtkosten im ersten Motorradjahr liegen deutlich über dem reinen Kaufpreis. Neben dem Fahrzeug selbst müssen Sie Versicherung, Steuern, Schutzausrüstung, Zulassung, mögliche Einsteigerkurse und laufende Wartung einplanen. Realistisch kommen auf den Kaufpreis leicht 1.500 bis 3.000 Euro an Nebenkosten hinzu.
Die wichtigsten Kostenpunkte im Überblick:
- Haftpflichtversicherung: Je nach Motorrad und Schadenfreiheitsklasse zwischen ca. 200 und 600 Euro pro Jahr
- Kfz-Steuer: Abhängig vom Hubraum, meist zwischen 20 und 80 Euro jährlich
- Schutzausrüstung: Einmalig ca. 500 bis 1.500 Euro für eine vollständige Grundausstattung
- Inspektion und Wartung: Je nach Modell ca. 150 bis 400 Euro pro Jahr
- Fahrkurs: Ein Sicherheitstraining für Einsteiger kostet ca. 100 bis 200 Euro und ist gut investiertes Geld
- Zubehör und Pflege: Schloss, Abdeckplane, Pflegemittel, ca. 100 bis 300 Euro
Planen Sie diese Posten von Anfang an ein, damit der Fahrspaß nicht durch unerwartete Ausgaben getrübt wird.
Worauf sollte man beim Kauf eines gebrauchten Motorrads achten?
Beim Kauf eines gebrauchten Motorrads sollten Sie auf den Zustand der Bremsen, Reifen, Gabel und Kette achten, das Serviceheft auf Vollständigkeit prüfen und das Fahrzeug, wenn möglich, vor dem Kauf von einer Fachwerkstatt inspizieren lassen. Fehlende Wartungsbelege oder Spuren von Sturzschäden sind klare Warnsignale.
Gehen Sie beim Besichtigungstermin systematisch vor:
- Äußere Begutachtung: Kratzer, Dellen und Lackschäden auf Sturzspuren untersuchen. Besonders Lenkerenden, Fußrasten und Motorgehäuse verraten Stürze.
- Reifenzustand: Profiltiefe und gleichmäßige Abnutzung prüfen. Reifen sind teuer und müssen bei starkem Verschleiß sofort ersetzt werden.
- Bremsen: Belagstärke und Bremsscheiben auf Verschleiß kontrollieren.
- Kette und Ritzel: Kette auf Durchhang und Verschleiß testen, Ritzel auf scharfe Zähne untersuchen.
- Motoröl und Flüssigkeiten: Ölstand und Farbe prüfen, auf Leckagen achten.
- Probefahrt: Wenn möglich, eine kurze Probefahrt machen und auf ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen achten.
- Fahrzeugpapiere: Zulassungsbescheinigung Teil I und II auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit der Fahrgestellnummer prüfen.
Kaufen Sie gebrauchte Motorräder, wenn möglich, bei einem autorisierten Händler, der das Fahrzeug aufbereitet, geprüft und mit einer Gewährleistung anbietet. Das gibt Ihnen deutlich mehr Sicherheit als ein Privatkauf.
Wie Vogelsang Automobile Ihren Motorradkauf unterstützt
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